Was bleibt, ist die Freude, dass Jesus den Tod besiegt hat. Das ist das Fundament, das Wesen unseres Glaubens. Mit dem Tod Jesu am Kreuz wurde dieses zu dem christlichen Symbol schlechthin. Wird nicht durch die hier gewählten Farben eine wunderbare Verbindung geschaffen zwischen Form und Inhalt? Wir verharren nicht in der Trauer, sondern wenden uns dem Leben zu. Einem Leben im Glauben.

Dazu gehört auch das Wissen darum, dass nicht immer alles farbenfroh und leicht und schön ist. Das Kreuz in seiner Buntheit steht für das Leben. Ohne das Grau der Baumrinde würden die Farben allerdings weniger hervortreten. Erst das Zusammenspiel von Beidem, der Kontrast, gibt dem Bild die Wirkung, macht es komplett. Ohne Kreuzigung keine Auferstehung. Ohne Trauer kein Trost, keine Freude. Ohne Tod kein Leben.

 In diesem Sinne betitelt der peruanisch-österreichische Künstler Michael Willfort sein Bild mit „Das Leben im Kreuz“. Es ist ein Bild des Lebens. Es steht für unseren Glauben, den wir in der Begegnung mit Christus am Kreuz immer wieder neu hinterfragen, verinnerlichen, mit Leben füllen mögen. Und den wir auch immer wieder neu hinterfragen und auf den Prüfstand stellen sollen. Der Weg, den wir jedes Jahr auf’s Neue mit Jesus gehen, gibt uns dazu Gelegenheit: durch die Passionszeit, zur Kreuzigung, zum Osterfest.

 Ich wünsche uns allen, dass die österliche Freude bei uns möglichst lange vorhält. Früher gab es den Brauch des Osterlachens in den Kirchen. Es brachte die Glücksgefühle über die Auferstehung des Herrn zum Ausdruck und wurde bewusst durch witzige Predigten der Pfarrer ausgelöst. Freude, Glück, Lachen – manchmal fehlt es mir daran in unseren Kirchen. Da habe ich das Gefühl, wir Christen nehmen uns selbst zu ernst. Wir jammern, schimpfen, entrüsten uns, über Nichtchristen und Christen gleichermaßen, innerhalb und außerhalb unserer Gemeinden. Sollten wir, die wir uns als Christen bekennen, nicht anders sein? Müsste uns die Freude an unserem Glauben nicht anzusehen sein? Sollten wir nicht Vorbild sein in einer Gesellschaft, in der ein respektvoller, wertschätzender Umgang miteinander selten geworden ist? Auf das Titelbild bezogen: sollten wir uns nicht als farbiges Kreuz vom allgemeinen Grau der Gesellschaft abheben? Ein hoher Anspruch, aber wir könnten ja wenigstens den Versuch wagen, unseren Glauben auf diese Weise in den Alltag zu tragen.

 Ich wünsche unseren beiden Gemeinden eine gesegnete Zeit.

 Bianka Röhr