Gesagt haben diesen Satz ursprünglich Petrus und andere Jünger als sie vom Hohen Rat in Jerusalem die Anweisung erhalten haben, nicht mehr von Jesus und seiner Lehre zu erzählen. Allerdings waren die Jünger schon längst der Überzeugung, dass Gott ihnen den Auftrag gegeben hat, die Botschaft von Jesus zu verbreiten. Sie waren sogar bereit, dafür die Konsequenzen zu tragen und im schlimmsten Fall ins Gefängnis zu gehen.

So übersichtlich die Ausgangssituation für dieses Bibelwort zu sein scheint, so bleibt es doch stets eine schwierige Sache zu jeder Zeit sagen zu können, was Gottes Wille ist und entsprechend zu handeln.

Manche Christen in Ländern voller Gewalt und Unrecht sehen darin Gottes Wille, den Armeedienst für ihre schlechte Regierung zu verweigern. Auch das kann für diese Leute brutale Folgen haben, bis hin zum Tod.

Andererseits haben auch schon fehlgeleitete gläubige Menschen mit diesem Satz im Hinterkopf viel Unheil angerichtet. Man hört von Eltern in Deutschland, die ihre Kinder aus religiösen Gründen nicht in die Schule schi-cken. Sie meinen, dass bestimmte Lerninhalte nicht der biblischen Botschaft entsprechen.

Gott zu gehorchen beginnt schon damit, für Gott und seine Botschaft hellhörig zu werden. Doch viel wichtiger ist es, zu erkennen, dass Gott keinen blinden Gehorsam von uns will. Nur wer auf Gott vertraut, wird ihm so gehorchen, dass der Verstand nicht abgeschaltet und die Selbstbestimmung nicht aufgegeben wird. Nur durch sein Wort bekommt man ein immer klareres Wissen. Dabei machen wir die erstaunliche Erfahrung, dass wir den Willen Gottes in verschiedener Weise erfahren.

Wer ehrlich mitten im Leben steht weiß, wie schnell wir an die Grenze unserer Vollkom-menheit geraten und wir Gott doch sehr unterschiedlich folgen. Es ist tröstlich, dass die Jünger das Wort „mehr“ in ihrer Rede gebrauchen. Sie haben nicht gesagt: Wir sollen Gott gehorchen und nicht den Menschen. In dem kleinen Wort „mehr“ steckt der liebevolle Spielraum Gottes, den er uns gibt, damit wir auch dann nicht verzweifeln, wenn wir Gottes Willen nicht entsprechen.

Gottes Erwartung an uns ihm zu gehorchen ist gepaart mit Liebe und Freiheit. So hat Gott wegen seiner Liebe und Barmherzigkeit noch Niemanden in einen Märtyrertod oder in eine Not gezwungen. Er wird alle annehmen, die im Bekenntnis zu ihm versagt haben, es sei denn sie gehen selbstgerecht und eitel darüber hinweg. Gott gibt uns die Freiheit, aufgeklärt zwischen seinem Willen und unserem Willen zu entscheiden.

Entscheidend ist: Wohin richtet sich zuerst unser Ohr und Herz? Auf Gott oder auf Men-schen? Viele bemerkenswerte Christen haben über die Jahrhunderte hinweg genau auf Gott gehört und in der Folge Widerstand gegen das Böse, gegen Willkür und Gewalt geleistet. Dietrich Bonhoeffer und viele Andere konnten die harten und bitteren Konsequenzen ihrer klaren Haltung nur ertragen, weil sie Gott vertrauten und wussten, dass er sie trägt.

Dagegen ist es ganz anders, wo Menschen ohne nach Gott zu fragen  anweisen ihnen zu gehorchen. Dort regiert nur Zwang und Gewalt.

Es ist ein revolutionäres Wort: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Nicht auszudenken, wenn wir Christen immer mehr den Mut finden würden jeder menschli-chen Selbstherrlichkeit die Stirn zu bieten, damit das Böse in dieser Welt noch viel öfter ins Leere läuft!

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Sommerzeit.

Ihr Pfarrer Anselm Meyer, Vakanzvertreter aus der Pauluskirchgemeinde Zwickau-Marienthal